Es ist Trainingslagersaison und wir sind mittendrin, affig an vorderster Front und werden in den kommenden Wochen täglich berichten! Los geht es hier und jetzt.

Kaum dass der Winter seinen unsportlichen Schleier auch von deutschen Breitengraden zu ziehen scheint, ergreift das dreikämpfende Volk die Flucht. Ausgerechnet jetzt, wo man sich selbst in der norddeutschen Tiefebene wieder ohne Schneeanzug auf den Drahtesel hätte trauen können.

Während sich der durchschnittliche Arbeitnehmer in seinem Urlaub wahlweise vollaufen, gehirnwaschen oder wellnessen lässt, obsiegt beim triathletischen Sportfanat auch bei der Wahl des Urlaubsinhaltes der Zwang nach persönlicher Optimierung und Zerstreuung. Einfach mal zwei Wochen den müden Denkapparat nebst der diesen umgebenden Hülle auf die Leine zu hängen, ist der Leistungshungrigen Sache nicht.

Tag -1: Packen

Neben sich selber und der üblichen Zivilklamotten wird mit jahrelang antrainierter Tetris-Meisterleistung alles an Equipment verstaut, was auch nur ansatzweise von Nutzen sein könnte während der anstehenden zweiwöchigen Schinderei: Vom Zeitfahrhelm über den TRX-Slingtrainer bis zur Neoprenpelle muss alles mit! Ganz zu schweigen von Wegzehrung, den zehn schönsten Radoutfits und dem eigenen Drahtesel! Leihräder sind was für Anfänger, Touristen oder unverbesserliche Packmuffel. Das Zweirad zu verzurren artet bei Ungeübten gleichwohl regelmäßig zur Wissenschaft aus, muss doch sichergestellt werden, dass der sackteure Carbonbolide unbeschadet auf der südeuropäischen Insel der Wahl landet.

Das Auffüllen der verbliebenen Hohlräume im Radkoffer mit Riegeln, Klamotten und Frontschnorcheln stößt bei den Leuten, die den Scheiß wuchten müssen jedoch auf nur mäßige Begeisterung. So ist ein offenes Geheimnis, dass das Bodenpersonal von den übergewichtigen Radkoffern der untergewichtigen Sportsüchtigen mitunter so genervt ist, dass außer Sichtweite der Fluggäste damit Domino gespielt wird.

Tag 0: Anreise

Am Zielflughafen angekommen wird nach bangem Warten an der Sperrgepäck-Ausgabe, kritischer Inspektion des unverschämt teuren Fahrradbehältnisses und einer endlosen Busreise (inklusive serienmäßiger Inselrundfahrt, weil das eigene Hotel stets das zuletzt angesteuerte ist) die Mönchszelle bezogen. Das stante pede begonnene Auspacken, Prüfen und Remontieren des Rades führt zu einer buchstäblichen Detonation des importierten Hausstandes in das winzige Feriendomizil. So sieht es bereits nach wenigen Minuten aus wie eine komprimierte Version der heimischen vier Wände.

Wer das Privileg eines nachtschlafend frühen Fluges hatte, kann es zumeist auch nicht abwarten, ignoriert die aufziehende Müdigkeit und zwängt die käsigen Stelzen in die Lycra-Pelle, noch bevor die Tasche mit der Zivilklamotte ausgepackt und das Hotelareal erkundet wurde. Diese Rollerrunden enden glücklicherweise zumeist im Café der übernächsten Ortschaft mit Café con Leche und Kuchen, so dass nicht direkt am ersten Tag schon die Gefahr eines Übertrainings droht.

Wieder zu Hause angekommen trennt sich die Spreu vom Weizen: Während bei ersteren zum ersten Mal seit dem Verlassen des Arbeitsplatzes vor ein oder zwei Tagen etwas Ruhe einkehrt, kramen die anderen wahlweise Lauf- oder Schwimmsachen hervor, um keine Minute des langersehnten Bootcamps mit sinnleerem Müßiggang zu vergeuden. Beiden gemein ist jedoch der abendliche Gang zum nächsten Supermarkt, um sich mit Milch (für’s Protein-Shake), Crackern (für das spätabendliche Hüngerchen) und optionalem Bier einzudecken. Letzteres verbittet sich aber wiederum für die o.g. Weizen-Fraktion.

Tag 1: Regen

Ist es denn die Möglichkeit? In komplett Südeuropa scheint die Sonne und sogar zu Hause bricht der Frühling aus, nur über den Balearen hängt eine Wolke, wie ein Tomatensaucenfleck auf dem weißen Hemd des Schulabgängers auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch! Aber wir wollen nicht verzagen und machen das Beste draus! Es ist schließlich der erste Tag, verdammte Scheiße nochmal! Kacke! Pimmel! Arsch!

Zu allem Überfluss sind die Gerippe diverser Mitreisender durch die Hotelbetten überfordert und müssen nicht nur vor der ersten ernstzunehmenden Radausfahrt, sondern vor allem bereits vor dem ersten Frühstück einer Selbstphysiotherapie unterzogen werden. Und so kommt es, dass zu einer Zeit, zu der normale Urlauber noch dem Matratzenhorchdienst frönen, diverse buntbesohlte Triathleten bereits auf den Terrassen ihrer Übergangsbehausungen auf Hartschaumrollen herumrutschen und dabei ächzen und nörgeln, als wäre man Zaungast beim Seniorensport.

Mallorquinische Straßen zeichnen sich nicht nur durch ihre sprichwörtliche Beschaulichkeit, sondern auch dadurch aus, dass sie durch Dreingabe von Regenwasser einen der Schmierseife nicht unähnlichen Belag entwickeln. Wer seine Auslandskrankenversicherung also nicht über die Maßen beanspruchen und auch zumindest morgen noch herzhaft in die Pedale treten möchte, der lässt bei Regen das Popöchen tunlicht unbewindelt und zu Hause! Aber was dann? Was tun? Dass Untätigkeit der Triathleten Sache nicht ist, haben wir hier ja bereits hinlänglich erörtert. Entgeisterung und durchbrechende Neurosen machen sich breit, bis endlich die rettende Antwort aus dem Nachbarbungalow schallt: Der Trainingsplan befielt eine Schwimmeinheit für den Nachmittag und die wird nun vorgezogen! Hose runter und ab dafür!

Tag 2: Ambition

Trainingspläne sind ja grundsätzlich schon mal etwas, wofür der geneigte Dreiathlet mit großen Augen angeschaut wird und worauf meist irgendeine Frage folgt, in der die Satzteile „könnte ich nicht“, Ironman, „ist das gesund“, Hawaii, “alles am selben Tag“ und „was sagt dein/e Freund/in dazu“ vorkommen. Den Gefragten sind die Trainingspläne aber vor allem dreierlei:
1. Lieb und (besonders) teuer
2. Lebenselixier
3. Unhinterfragt

Wer ins Trainingslager entschwindet und seinen Coach nicht (zusammen mit den besprochenen 27 Tonnen Equipment, der halben Inneneinrichtung der heimischen vier Wände, dem Fitnesstempel, der digitalen Filmsammlung und dem Buch, das man schon seit zwei Jahren lesen will, abends nach dem Training aber stets so im Sack ist, dass immer wieder mit derselben Seite angefangen wird, bis bei Absatz zwei wieder die Augen zufallen) direkt mitgebracht hat und somit dauerobserviert wird, der erlebt am eigenen Leib das Auftun der sogenannten Überambition-Kontrollverlust-Schlucht. Vertieft wird diese noch durch das Beisein heißdüsiger Trainingsmitstreiter, die (je nach Sichtweise) besten- oder eben schlimmstenfalls einen deutlichen Trainingsvorsprung vorzuweisen haben, was aber natürlich nicht kundgetan wird, um eine Aufspaltung der Gruppe und somit das eigene Degradieren zu vermeiden. Das ergibt sich im Laufe des Tages gegebenenfalls dann schon von ganz alleine.

Jedenfalls wird an die eingebriefte Trainingsfahrt mit den Eckpunkten „3 Stunden, GA1, möglichst flach“ flugs das in der neunten Klasse gelernte Wissen um die Interpretationsfähigkeit alles Geschriebenen angelegt, der Umfang nur minimal um eine knappe Stunde verlängert und ein kleines aber feines Bergchen eingebaut. Wer von zu Hause nur Deiche kennt, kann schließlich keine Gelegenheit auslassen. Ob diese Überinterpretation dem Trainer beim allabendlichen Trainingpeaks-Rapport gebeichtet oder doch lieber unter den Teppich gekehrt wird, obliegt ganz der Demut des Trainierten.

Tag 3: Ruhe

Gleichzeitig Fluch wie Segen, von Popo und Nacken herbeigesehnt, von der eigenen Strebsamkeit aber auf das Schärfste verflucht: Ruhetage!

Wer aber folgert, die genauso zur Untätigkeit verdammte wie bunte Triathlonaffenschar würde am Gefechtspausentag durch die Bäume am Pool hangeln, in den bereitgestellten Autoreifen baumeln und die leeren Kohlehydratspeicher durch den Verzehr von mehreren Zentnern gelber, gebogener Südfrüchte auffüllen, der irrt gewaltig!

Wie der Coach einem recht unmissverständlich per Trainingsplan zu Verstehen gibt, bedeutet ein Ruhetag Mitnichten das Überdieleinehängen des schlaffen Pelzes, sondern vielmehr das Ausbleiben einer Drahteselausfahrt. Ein ambitionierter Lauf, gefolgt von einem 3km-Sprung ins kühle Nass, einer Runde Versteckenspielen, Ticken und Brennball mit kurzen Stabi-Einlagen sind auch am Erholungstag drin! Na, dann mal los!

Tag 4: Angasen

Wie in unserem gleichnamigen Glossar-Eintrag bereits hinlänglich erörtert, gehen auch mit dem Trainingsplan-hörigsten Dreikampf-Neurotiker ab und an die Pferde durch. Vornehmlich passiert dies auf der Radstrecke von Rennen jenseits der olympischen Distanz, so dass man sich beim anschließenden Lauf vorsätzlich und mit kilometerweise ansteigender Begeisterung die Karten legen kann.

Im Trainingslager hingegen tritt dieses balzartige Gebaren erst mit größer Dauer des Aufenthaltes zu Tage. Wird sich während der ersten Ausfahrten noch wohlerzogen zusammengerissen, ist spätestens mit Anbruch der zweiten Woche Sense mit der Zurückhaltung. Wer seinen Coach im Windschatten hat, wird zunächst noch durch wiederkehrende Pfiffe und Rufe zur Raison gezüchtigt; zumindest bis der genauso lästige wie teuer bezahlte Spielverderber beim nächsten Anstiegchen abgeschüttelt wurde. Wer hingegen ohne Kindergärtner unterwegs ist, hat es einfacher und kann den Hebel ohne Konsultation, Maßregelung und angedrohtem Liebesentzug direkt auf den Tisch legen: Da wird jede Senke zum Angasen für den darauffolgenden Anstieg genutzt, um jedes Ortsschild gesprintet und jeder mit „Kraftausdauer“ oder „locker“ im Tagesplan vermerkte Berg mit Maximalkraft erklommen.

Sollte es die Gruppe trotz der fortwährenden Sprengungen irgendwie gemeinsam nach Hause geschafft haben, wird beim abendlichen Buffetfräsen der Balanceakt auf Messers Schneide geprobt: Wie bringe ich meine heutigen sportlichen (Maul-)Heldentaten so galant unter, dass ich trotzdem noch als ernsthaft trainierender Dreikämpfer durchgehe anstatt als Heißdüse, mir aber bitte trotzdem die Kudos meiner Mithäftlinge Gewiss sind?

Tag 5: Tanning

Selbst im ambitioniertesten Trainingspuff wird in der zweiten Woche der Fokus kurzfristig weg von sportlichen Meisterleistungen und hin zu einem sehr entscheidenden Detail gelenkt: Vorausgesetzt das Wetter war während der vergangenen Tage dem radelnden Volk im Wortsinn freundlich gesonnen, so haben sich die blassen Nordgestalten bis hierher bestenfalls gemausert zu einem Streifenhörnchen-Gewimmel.

Wie unserer kürzlich erschienenen Begriffsdefinition zum Bekleidungsthema „kurz-kurz“ bereits zu entnehmen war, gibt es mindestens zweierlei Typen jenes Genres: Die vornehmlich weiblichen, die das Streifenhörnchentum verschmähen, weil das eine bis andere Business- oder Abendbeinkleid mit abgehackter Schattenfuge am Schenkel wenig schicklich konveniert. Und die zumeist männlichen, denen der Farbwechsel zwischen kalkweißem Torso und tiefbraun verbrutzelten Extremitäten nicht binär genug sein kann.

So ergeben sich dann auch zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen an das Titelthema „Tanning“ (engl. Bräunen oder (je nach Grad) auch Gerben). Letztere Geschlechterkollegen ergießen sich nach getaner Kurbelarbeit in voller Montur noch auf die nächstbeste Sonnenanbeter-Pritsche, achten stets darauf, dass die Bein- und Armabschlüsse aller Klamotten an gleicher Stelle enden und fixieren diese dort notfalls mit Sekundenkleber gegen Verrutschen. Die Ladies hingegen beschreiten (wie so häufig) einen weniger extremen Weg und bauen auf eine ganzheitliche Tünchung, die sich allerdings nur durch erheblichen Zeit-, Körper und Hilfsmitteleinsatz erreichen lässt: Da werden die Unterarme explizit mit der Unterseite gen Himmel gereckt, die Radpelle quasi schon während des Absteigens abgesprengt und durch den knappsten Bikini ersetzt, der noch als solcher durchzugehen vermag und obendrein spraygetann’t und mit unterschiedlichen Sonnenschutzfaktoren nachgebessert, was das Zeug hält. Ganz Gewiefte berechnen beim anschließenden Schwimmen obendrein die Brechung des Sonnenlichts und die unterschiedliche Wassertiefe der verschiedenen Körperteile ein: Eine gute Wasserlage ergibt demnach eine bessere Stelzenröstung.
Jedem Tierchen sein Pläsierchen! Und die wörtliche Übersetzung von „After Sun“ ist auch nochmal ein ganz eigenes Thema!

Tag 6: Buffetfreuden

Beim Gedanken an halbpensionierte Hotelbuffets treibt die Aussicht auf ihnen in Armeslänge kredenzte Köstlichkeiten kaiserlichen Ausmaßes den einen das Wasser sturzbachartig in die Schlunde. Indessen würden die anderen, die Buffetverächter, sich am liebsten von den Buffetenthusiasten eine Stulle schmieren und auf die Habitacion liefern lassen, weil ihnen vom bloßen Gedanken an die Fressalienprozession schon blümerant wird.

Der Anlass dieser Nahrungsaufnahmeritualsphobie liegt zumeist jedoch gar nicht in den feilgebotenen Delikatessen und deren, den Gaumen der hungrigen Athleten bringenden, Hochgenüssen begründet. Viel mehr sind es die an eine zoologische Raubtierfütterung erinnernden Jagdszenen und die allgemeine Anwesenheit der anderen Anstaltsinsassen, die zart besaiteten Gemütern die Lust, nicht nur am Fleische, sondern auch an Gemüse, Nachtisch und vor allem kohlenhydrathaltigen Sättigungsbeilagen vermiesen.

Gerade die Gewänder einiger Mithäftlinge sind es, die, vor allem beim morgendlichen Buffetfräsen, empfindsame Seelen sich ungläubig starrend am Café con Leche verschlucken lassen. Da wird die allgemeine Kleiderordnung des Gästehauses nicht nur leicht gebogen, sondern direkt und mit Schmackes abgebrochen: In kompletter Radklamotte, mit oder ohne Helm, mit Finisher-Shirt oder in (jeden Tag derselben) Vereinstracht, gerne im Neo oder, weil gerade vom Auftaktlauf hereingeschneit, im komplett vollgeschwitzten Laufdress, mit der kompletten Ausstattung für eine zweimonatige Europa-Durchquerung in den Trikottaschen, mit Radhandschuhen oder wenigstens vermockten Laufschuhen zur ansonsten erstaunlich zivil geratenen Hoftracht wird da zum allmorgendlichen Frühstücksaufmarsch angerückt. Jemanden in Badebüx hingegen hätten wir, wegen der gezeigten Cojones (Hallo Doppeldeutigkeit), standesgemäß abgefeiert, aber da müssen wir wohl wieder selber ran?!

So aber fragt sich die konsterniert beobachtende Affenschar, ob die denn wirklich alle so knapp im Zeitplan sind, dass sie direkt vom Frühstückstisch aufs Rad steigen, weil angesichts eines heute anstehenden Küstenklassikers eine derartige Eile geboten ist, dass weder Zeit zum Verdauen, noch zum Umplünnen bleibt. Beobachtet haben wir derlei nachfrühstückliches Losgeballere jedenfalls nicht.


Tag 7: Übertraining

Nun waren wir mit der Kontinuität unseres Tagesbuches nicht halb so gewissenhaft, wie mit der Erfüllung der uns auferlegten Trainingspläne und sind deshalb mittlerweile inhaltlich wie numerisch etwas ins Hintertreffen geraten. Das tut dem Wahrheitsgehalt der feilgebotenen Prosa aber keinen Abriss, ist unserer Trainingshörigkeit doch inzwischen ein ganz neuer Umstand entsprossen, der im Folgenden tiefschürfender erörtert wird, als so manchem lieb ist.

Wenngleich die Überschrift also vom siebten Tage unserer Leibesertüchtigungsexpedition dünkt, so schreiben wir doch tatsächlich schon einen deutlich fortgeschritteneren. Damit einhergehend hat sich einstweilen auch eine gewisse Erschöpfung eingestellt, die sich nicht nur durch schwere Beine, weiche Birnen, den Verlust des kultivierten Teils der Muttersprache, verspannte Nacken und gegerbte Schenkel und Nasen bemerkbar macht. Der Blick auf den Pulsmesser lässt es schon erahnen: Die unterirdischen Werte zeugen wohl kaum von einfacher Müdigkeit! Die schlussendliche Gewissheit bringt dann aber ein Blick auf den eigenen Metabolismus. Zwar sind Triathleten Stoffwechselmaschinen (man vgl. unseren detailreichen Blogpost zum Thema Dung) und so nennen wir das Kind doch bitte endlich mal beim Namen: Wer trainiert wie doof, muss nicht nur dementsprechend nachfüttern, sondern auch scheißen wie ein Großer! Aber irgendwann ist auch da bitte schön mal Schluss!

Wie für alles, gibt es auch für das Aufsuchen des ach so stillen Örtchens in Zeiten hochgezüchteter Hobbyathletik eine Faustregel: Wer nach 16:00 oder mehr als drei Mal am Tag ein Häufchen macht, der hat es geschafft: Übertraining! Yeah! Nie mehr zweite Liga! Nie mehr zweite Liga! Jetzt gehören wir zu den ganz Großen und können von uns sagen, dass wir uns offiziell selbst übertroffen haben! Keinen Blumentopf gewinnen, aber wenigsten von sich behaupten können, Trainingsweltmeister in der Porzellanabteilung zu sein! Geil, geht doch!

Tag 8: Finale

Normale Menschen hängen sich im Urlaub mental wie leiblich auf die Wäscheleine, um den Denkapparat vom sie alltäglich umtreibenden Wahnsinn zu entlüften und die sie umgebende Hülle endlich mal von den Strapazen der Schwerkraft zu regenerieren: Stehen, Gehen, Sitzen, Treppensteigen, das Sein strengt ja ganz allgemein zunehmend an. Sie suchen ihr Heil im heimischen Garten, am Strand oder in der Zerstreuung einer Reise an möglichst exotische Destinationen, was dann aber doch wieder in Rumlatschen und Begutachten von Sehenswürdigkeiten ausartet. Eine Krux, die dem dreiathletischen Volk völlig unbekannt ist!

Die nämlich sind nach zwei Wochen Trainingsendlager subfontanell zwar ähnlich gut durchgeweicht, dafür aber bewegungsapparatisch so dermaßen im Sack, dass sie eigentlich zwei Wochen Urlaub bräuchten, um wieder klarzukommen. Stattdessen wird die Regenerationsobliegenheit mit zur Arbeit genommen in der leisen Hoffnung, dass niemand merkt, wie sehr man sich im Urlaub den Hintern versohlt hat oder hat versohlen lassen.

Irgendwann geht jedenfalls auch das schönste, trainingsplanhörigste, sonnigste und vokabulär verblödetste Trainingslager einmal zu Ende. Nach einer finalen Radrunde, die noch vor einer Woche nicht mal an einem Ruhetag akzeptiert worden wäre, einem letzten Stück Kuchen nebst Café con Leche, dem obligatorischen Schwanzvergleich der abgekurbelten Kilometer und dem gegenseitigen Lobhudeln, dass alle unverbeult wieder nach Hause kommen, werden die importierten Drahtesel zerlegt und die 27 Tonnen Equipment verstaut. Ein letzter Heuschreckenflug zum Buffet, im Hinterkopf immer die Angst, dass einem ab morgen niemand mehr ohne direkte Zahlungsaufforderung das Essen kredenzen wird. Obendrauf ganz unathletisch und -vernünftig das eine oder andere alkoholhaltige Kaltgetränk und zack ist Schluss. Ein dem Titel nicht gerecht werdendes Mützchen Schlaf später bimmelt um 3:45 der Wecker, weil irgendjemand mal beschlossen hat, dass unverschämt-frühmorgendliche Flüge total dufte sind; und kaum dass wir richtig wach sind, setzen wir auch schon wieder auf auf dem Fuhlsbütteler-Wiesenflughafen und freuen uns, bald wieder drum herum laufen zu dürfen.

Schön war’s mit euch, liebe Mithäftlinge und -leser! Bis zum nächsten Jahr!

Bundeskassner

Ulli ist typischer Triathlet: Kann alles ein wenig, aber nichts richtig! Deshalb lehnt er sich am liebsten mit einem Käffchen zurück und lästert.