Triathleten sind ja von Natur aus hörig: Wenn in einem der einschlägigen Triathlonmagazine mal wieder aus einer Studie kolportiert wird, kann man sich gewiss sein, dass innerhalb kürzester Zeit die Early-Adopters direkt mit dem Praxistest beginnen. Man könnte fast glauben, die Urheber solcher Studien würden ihre Theorien absichtlich an Triathlon-Zeitungen herausposaunen, damit sich eine Schar von freiwilligen Testpersonen stracks an die Erprobung macht. Würden echte Probanden für solch eine medizinische Studie angeheuert, würde das schließlich Geld kosten und vielleicht sogar den Ethikrat auf den Plan rufen. Aber warum Tote im eigenen Wirkungskreis oder Ärger mit den Moralwichteln riskieren, wenn eine willige Lemmingtruppe ungeduldig darauf wartet, die nächste wundersame Erkenntnis zu Trainingslehre, Regeneration oder Ernährung auszutesten in der Hoffnung, jetzt endlich den heiligen Gral der Leistungssteigerung zu finden?!

Was gab es da nicht schon alles: Viel Rote Beete essen! Viele Eier! Viel Fleisch! Kein Fett! Viel Fett! Kein Alkohol nach dem Training! Eiweißshake nach dem Training, aber vielleicht auch doch auch einen Schluck davor?! Stretchen vor, während oder dann doch erst Stunden nach dem Sport?! Krafttraining ist Mist! Krafttraining ist der Allheilbringer! Hacke voraus laufen hieß es einst und nun ist Vorfußlaufen auch schon fast wieder out und Kompressionsklamotten sind die Haute couture von vorgestern!

Jetzt aber gibt es etwas neues: Eine australische Studie weiß zu berichten, dass der sogenannte „Eiweißdruck“ kurz vor dem Start eines Ausdauerwettkampfes die in den folgenden 120 – 240 Minuten erbrachten Leistungen entscheidend beeinflussen kann! Ist der Druck zu hoch, steigt auch der Insulinspiegel, was wiederum die Fettverbrennung hemmt. Besonders für Langdistanzathleten kann dies von entscheidender Bedeutung sein. Eine Kooperation aus überregionalen Veranstaltern wird nun gemeinsam mit den Vermietern von Miet-WCs und diversen Verlagshäusern bei den Wettkämpfen der aktuellen Saison auf den „Dixis“ eine Auswahl verschiedener Schmuddelheftchen und größere Vorräte an Toilettenpapier bereitlegen, um zumindest den startenden Herren zu noch besseren Leistungen verhelfen zu können.

Na, dann mal los und lieber etwas mehr Zeit für den Austritt vor dem Start einplanen, falls noch die Verrichtung des Vorgängers abgewartet werden muss…

Bundeskassner

Ulli ist typischer Triathlet: Kann alles ein wenig, aber nichts richtig! Deshalb lehnt er sich am liebsten mit einem Käffchen zurück und lästert.

1 Antwort

  1. Pernst sagt:

    Ihr Lieben.
    Heut sandte meine Freundin mir einen Link zu einem Eurer Artikel … und ich war begeistert.
    Ich liebe Wortspiele und Berichte, die andere Berichte umschreiben und vieles endlich mal auf den PUNKT bringen, wie hier mit dem Eiweißdruck.
    Kurzum: Herrlich.
    Ich werd Euch weiter ´lesen´, anschauen und verfolgen.

    …ach so, eine Art P.S.: Ich bin Triathlonrookie dieses Jahr. In 13 Tagen starte ich beim Hamburg Jedermann um 10h04 (na klar weiß ich die ganz genaue Uhrzeit :-))…
    Sportrookie hingegen bin ich nicht, beiweitem nicht. Aber diesen ´Dreckstriathlon´ (ich liebe die Kombi mittlerweile, aber ich hasse das Schwimmen…), den musste ich mir endlich mal geben. Wenn ich also die ersten 500m nicht durchgetaucht, sondern ertrunken bin, schau ich hier weiterhin rein.

    Danke für den schönen Sonntagstart.

    Peter Ernst, 47, Hamburch

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